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Inhalt:
Horst aus Hannover - kein Weg zu weit
Easy Going
Pechschwarz sind sie und, vorsichtig ausgedrückt, wohlgenährt, man könnte auch fett sagen. Den Krähen geht es augenscheinlich ausgezeichnet. Es mögen mehrere Hundert sein, die den Rasenplatz bevölkern. Sattes Schwarz auf sattem Grün - hier in Carson gilt das gleich doppelt. Kein Mensch weit und breit droht die Idylle zu stören. Nur von Ferne klingt Geschrei. Woher? Keine Ahnung. Das Gelände der "California State University" ist dermaßen riesig, dass allein den Krähen, wenn sie sich denn mal zu einem kleinen Verdauungsflug aufraffen, ein, alles einschließender, Überblick möglich scheint. Irgendwie kommt man sich als Fußgänger fehl am Platz vor. Alles glänzt und wirkt nicht nur sauber, sondern porentief rein, ja, fast schon steril. Zwangsläufig schaut der verunsicherte Besucher auf seine Schuhe, ob er nicht womöglich Schmutz mit hineingetragen hat. Aber wo sollte der herkommen? Der ganze "Dominguez Hill" scheint nur für Anschauungszwecke errichtet worden zu sein. Gibt es hier überhaupt Menschen? Los Angeles wird mitunter geringschätzig eine Anhäufung von Vorstädten auf der Suche nach einer Stadt genannt. Carson dürfte diese These nicht widerlegen. Früher war hier nur Wüste. Doch Los Angeles braucht(e) Platz. Jahr für Jahr strömen Abertausende aus den ganzen Staaten, ja, aus der ganzen Welt nach L.A., um unter der Sonne Kaliforniens ihr Glück zu suchen. In regelmäßigen Abständen wird dann am Rand der ständig wachsenden Metropole Brachland in Bauland umgewandelt, nur so kann die Stadt dem scheinbar nie versiegenden Strom von Neuankömmlingen Herr werden. So geschehen auch in Carson. Dort hatte ein findiger Bauunternehmer dann eine Idee. Er ließ tonnenweise Mutterboden ankarren und errichtete in der Einöde einen ewiggrünen Berg. Der "Dominguez Hill", vormals eher ein hässlicher Hügel, wurde zu einer beliebten Wohngegend für die gutbetuchte Mittelschicht und mittendrin, auf dem Gipfel, entstand die "California State University", ein echtes Eldorado für sportbegeisterte Studenten. Das riesige Areal bot genügend Platz für Tennisanlagen, Baseballplätze, eine Radrennbahn, eine Boxhalle und diverse Fußballfelder. Da all das aber noch nicht groß genug war, wurde noch ein Berg auf dem Berg errichtet und obendrauf ein Stadion. Dieses wurde dann, einer bekannten amerikanischen Heimwerkerkette sei dank, auf den wohlklingenden Namen "Homedepot Center" getauft. Als schließlich alles fertig war, stellte man auf dem "Dominguez Hill" allerdings fest, dass der ganze Sportkomplex doch wohl etwas überdimensioniert ausgefallen sein musste. Die meisten Plätze wurde nur äußerst selten betreten, das schmucke Stadion fast nie. Dafür siedelten sich alsbald etliche Krähenfamilien an und genossen die dortige Ruhe. Nur wenn die zahlreichen Mädchenmannschaften einfallen, um Fußball zu spielen, wird es ein wenig eng, vor allem aber laut. Das ist dann vielleicht ein Gekreische. Noch lauter war es allerdings am 12. Oktober 2003. Alle Nachwuchskickerinnen erinnern sich noch ganz genau an diesen Tag. Einige durften damals sogar im Stadion am Rasenrand stehen und Bälle holen. Es war der Tag, als die ganze Welt für 2 Stunden auf den "Dominguez Hill" blickte. Am 12. Oktober fand im "Homedepot Center" von Carson das Weltmeisterschaftsfinale im Frauenfußball statt.