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Als Anfänger hat man es überall schwer. Als anfangende Frau in einer Sportredaktion um so mehr. Frau muss nehmen, was man(n) ihr übrig lässt.
Als Birgit Hoffmann Ende der 90er Jahre zum ORB kam, waren die Filetstücke natürlich fest vergeben und mehr als ein Schnuppern am Fußballbraten nicht möglich. Die uneingeschränkte Aufmerksamkeit der Redaktion galt damals den Kickern von Energie Cottbus und denen vom SV Babelsberg 03.
Der erfolgreichste Fußball im Land des roten Adlers wurde allerdings von den Turbinen gespielt, nur dass dies so recht keiner akzeptieren wollte. Eine Sportredaktion als Spiegelbild der Gesellschaft. Wenn dann aber doch mal bei den Planungssitzungen das Turbinethema auf die Tagesordnung gerufen wurde, erntete der oder die Verwegene für diesen Vorschlag allenfalls ein müdes Lächeln. Bestenfalls fielen magere 30 Sekunden ab. Schließlich fand sich niemand mehr, der diese "Randsportart" überhaupt vorzuschlagen wagte.
Die Potsdamer Fußballerinnen drohten gänzlich in der medialen Versenkung zu verschwinden, doch dann kam die Jungjournalistin Hoffmann. Schnell hatte sie gemerkt, dass Turbine für alle anderen uninteressant war. Birgit kniete sich rein, suchte nach Storys abseits des grünen Rasens, schlug unerschrocken immer wieder bunte Geschichten vor, um darin gekonnt den rollenden Ball zu verpacken.
Nun ging dadurch nicht sofort ein Ruck durch die brandenburgische Fernsehlandschaft, doch der stete Tropfen höhlte tatsächlich den Stein der Ignoranz. Die Front der Frauenfußballgegner begann zu bröckeln.
Dabei hatten es die Herren gelinde gesagt einfach nur satt, ständig gegen die Turbinen verbal ins Feld zu ziehen. "Sollen die doch spielen und, wenn es unbedingt sein muss, kann die Hoffmann da auch mit einer Kamera dabei sein. Aber bitte nicht zu lang!!!" So ungefähr hörte sich das dann Woche für Woche an.
Das war gut für Birgit, denn sie hatte damit endlich einen Fuß in der "Einwurftür". Und natürlich war das auch gut für die Turbinen, endlich konnten sie ihre Fußballkunst einem breiteren Publikum vorführen. Fast schien es so, als wäre die vermehrte mediale Anerkennung eine zusätzliche Motivation für die Potsdamerinnen. In der Saison 2000/2001 wurde Turbine erstmals Deutscher Vizemeister. Was zunächst nur nach einer Eintagsfliege aussah, erfuhr ein Jahr später die Bestätigung. Nun schellten in den Büros der ORB-Sportredaktion die Alarmglocken, zumal der Frauenfußball durch die Erfolge der Nationalmannschaft in Deutschland nach und nach salonfähig wurde.
Turbine Potsdam entwickelte sich so mit der Zeit zu einem festen Bestandteil der "Einwurf" - Sendung. Sogar Auswärtsspiele durften hin und wieder begleitet werden. Ein Luxus, der bislang nur den männlichen Balltretern vorbehalten war.
Heiko Klasen hatte sein ganz persönliches Aha- Erlebnis im Herbst 2001. Eigentlich sollte der Fußballfachmann ja nur zum Zweitligaspiel von Babelsberg 03 nach Aachen fahren. In der Redaktionssitzung fiel dann aber dem findigen Produktionsleiter der Sportredaktion auf, dass diese Dienstreise durchaus verlängert werden könnte, denn Turbine bestritt zwei Tage später ein Pokalspiel in Bad Neuenahr. Gesagt, getan. Am Abend vor dem Spiel hatte sich Heiko Klasen, der damals vom Frauenfußball gerade mal die Regeln kannte, mit Bernd Schröder im Turbine-Mannschaftshotel verabredet, um, mit des Trainers Hilfe, zumindest ein paar Wissenslücken schließen zu können. Die beiden Männer waren sich sofort sympathisch. Es wurde ein langer und vor allem feuchtfröhlicher Abend. Das Spiel am nächsten Tag bot dann alles, was der Pokal so bereit halten kann. Die Potsdamerinnen gewannen erst nach Elfmeterschießen. Von da an war Birgit Hoffmann als Turbinefan in der ORB-Sportredaktion nicht mehr allein.
Bei so viel Gemeinsamkeiten kam die drei Jahre später folgende Hochzeit von Birgit und Heiko nicht wirklich überraschend. Natürlich durften bei diesem feierlichen Anlass auch die Turbinen nicht fehlen und im Laufe des Abends wurde dann die Idee für das Buch "Elf Freundinnen" geboren. Die Hochzeitsreise musste daraufhin kurzerhand umdisponiert werden. Ein Abstecher nach Los Angeles war nun ein absolutes Muss, hatten dort doch die deutschen Fußballerinnen kurz zuvor den Weltmeistertitel errungen. Die Stätte des Triumphes wollten sich die beiden Frischvermählten unbedingt anschauen.
In Carson entstand auch das erste Konzept für das Turbinebuch. Knapp ein dreiviertel Jahr später war es dann soweit. Nach unzähligen durchgeschriebenen Nächten konnte endlich der letzte Punkt gesetzt werden. Das Buch war fertig.
Und hoffentlich haben die Leser bei der Lektüre genauso viel Spaß wie Birgit und Heiko Klasen beim Schreiben.
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